Weniger Gewalt bei Jugendlichen
Die Gewaltdelikte unter Jugendlichen sind rückläufig.
Das Forschungsprojekt „Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt“ belegt, dass entgegen verbreiteter Annahmen die Gewaltdelikte unter Jugendlichen seit Jahren rückläufig sind. Sowohl Anzahl als auch Schwere der Taten hätten zwischen 1998 und 2008 in fast allen Bereichen abgenommen. Gewalt als Mittel der Konfliktlösung werde weitaus weniger als noch vor zehn Jahren akzeptiert. Im gleichen Zeitraum sei die Bereitschaft, Gewaltdelikte der Polizei anzuzeigen, um bis zu 50 Prozent gestiegen. „Dies sind ermutigende Entwicklungen, die zeigen, dass es sich lohnt, im Bereich der Gewaltprävention etwas zu tun“, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). 2007 und 2008 waren knapp 45 000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen aller Schulformen in 61 repräsentativ ausgewählten Landkreisen und kreisfreien Städten befragt worden. Für den Langzeitvergleich wurden Untersuchungen in acht Städten der Jahre 1998 / 1999 sowie Erhebungen zwischen 2005 / 2008 herangezogen.
Danach stieg der Anteil der Schüler, die in den zwölf Monaten vor den Umfragen Opfer einer Gewalttat wurden, in keiner der acht Städte.
Als Ursachen dieser insgesamt positiven Entwicklung nannte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN), Prof. Dr. Christian Pfeiffer an erster Stelle der Rückgang elterlicher Gewalt gegen Kinder. Die besten Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt, so Prof. Pfeiffer, sind ein hohes Bildungsniveau sowie eine gelungene Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Als Beispiel nannte er Hannover, wo zwischen 1998 und 2006 der Anteil junger Türken, die einen Realschulabschluss oder das Abitur anstrebten, von 52 auf 67,5 Prozent anstieg. Zugleich ging ihr Anteil an den Mehrfachtätern von 15,3 auf 7,2 Prozent zurück. Die geringste Gewaltquote junger Türken habe Oldenburg ausgewiesen. Eine erfreuliche Entwicklung ist auch dass neun von zehn türkischen Kindern angaben, sie würden von deutschen Freunden auf Kindergeburtstage eingeladen. Pfeiffer: „Das hat miteinander zu tun.“


